Axel Zibulski - 19.08.2005
ERUPTIONEN
DES SOZIALISTISCHEN REALISMUS -
MIT ABSICHT DOPPELBODIG
Burghofspiele: St. Petersburger Philharmoniker im Kurhaus mit Werken
von Weber, Grieg und Schostakowitsch / Solistin Olga Kern
WIESBADEN
An Stelle der erkrankten
Juri Temirkanow, war Nikolai Alexeev zu erleben, der aus St. Petersburg
stammt und heute Chefdirigent des Estnischen Nationalorchesters ist.
Unter seiner Leitung horte man eine zu Recht doppelbodige Wiedergabe
der funften Schostakowitsch-Sinfonie. Die Eruptionen, die aus dem
ganz im Sinne des sozialistischen Realismus formal lehrbuchhaft gearbeiteten
Kopfsatz herausbrechen, wirkten beinahe uberdeutlich entfesselt, das
Scherzo lie? Alexeev regelrecht gehetzt musizieren, uberhaupt ungeglattet
mit seinen betont scharf und grell von den Blasern ausgespielten Klangfarben.
Umso deutlicher wurde der Kontrast zu jenem fahlen, klagenden Largo-Gesang,
den die exzellenten St. Petersburger Streicher wunderbar geschlossen
bis ins au?erste Piano, in sich ruhend ausspielten - der darauf folgende
Final-Jubel musste schon deshalb, wie von Schostakowitsch beabsichtigt,
erzwungen, eben doppeldeutig wirken.
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